Ein „gewöhnlicher“ Job als Tabu-Thema? Ja, wenn es sich um einen sogenannten Brotjob handelt, wird von außen oftmals heftigst getuschelt. Dabei sind vor allem Künstler, Selbstständige und Freiberufler in der Anfangsphase ihrer Karriere auf solch einen Brotjob angewiesen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Viel schlimmer als abfällige Kommentare ist es aber, wenn man durch diese Tätigkeit selbst in einen Identitätskonflikt gerät. Ist man aufgrund eines Brotjobs vielleicht gar kein richtiger Selbstständiger/Künstler/Freiberufler? Aber: Was macht einen denn eigentlich dazu?

Dass die anderen es einem glauben?

Dass man es sich selbst glaubt?

Dass man etwas damit verdient?

Arbeit, Tätigkeit, die man nicht aus Neigung ausübt, sondern lediglich als Broterwerb betrachtet.

Definition von Brotjob im Wörterbuch Deutsch

Wie sehr definiert das, womit wir unser Geld verdienen, eigentlich, wer wir wirklich sind?

Ist man tatsächlich ein richtiger Selbstständiger/Künstler/Freiberufler, wenn man damit finanziell (noch) erfolglos ist und sein Geld als Aushilfe bei der Modekette um die Ecke verdient? Oder ist man dann Verkäufer/in? Vor allem sollte unbedingt geklärt werden, wie man eine solche berufliche Situation mit sich selbst ausmacht! Betrachten wir es doch einfach mal ganz optimistisch

Ein Brotjob erfüllt nicht nur den Zweck, dir in schlaflosen Nächten beim Rechnen ein bisschen Luft zu verschaffen. Für Künstler und kreative Köpfe sind branchenfremde Nebenjobs eine immerwährende Quelle der Inspiration.

Bin ich also automatisch nur eine Hobbykünstlerin, weil ich einen Nebenjob habe, der mich über Wasser hält? Und will ich überhaupt eine „Hobbykünstlerin“ sein? Ich meine: Wer will schon, dass die Leute dich nicht für voll nehmen und denken, dass du abends zur Entspannung Aquarelle pinselst? 

Dein Brotjob darf den Willen zur eigentlichen Tätigkeit nicht auslaugen!

Entscheidend dafür, ob sich jemand als Selbstständiger/Künstler/Freiberufler fühlt, ist – abseits von Gehalt und sozialer Anerkennung – wieviel er oder sie sich überhaupt mit seiner/ihrer Berufung befasst. Wenn du vor lauter Brotjob keine Zeit und Energie mehr hast, um dich intensiv mit deiner eigentlichen Tätigkeit zu beschäftigen, dann läuft das Ganze leider in eine völlig falsche Richtung und erfüllt nicht wirklich den Sinn und Zweck. Besonders zu Beginn der eigenen Selbstständigkeit gehören Existenzängste und Phasen der Verzweiflung zum Metier dazu. Leider! Hier lässt mich ein Brotjob wirklich besser schlafen.

Mich? Ja, auch ich habe einen Brotjob!

Tadaaa … jetzt ist es raus! Momentan kann ich allein von meinem Blogazine noch nicht leben – ist doch auch irgendwie logisch, oder? Immerhin muss man sich in der überlaufenen Bloggerwelt erst einmal einen Namen machen und daran arbeite ich gerade. Ich stecke zwar meine ganze Leidenschaft in hejFROLLEIN und versuche alles so professionell wie möglich zu handhaben, dennoch gehe ich ab Januar zusätzlich einem Nebenerwerb nach. Schlimm? Für mich absolut nicht. Ich sitze schließlich nicht an der Kasse im Supermarkt nebenan, sondern werde in einem meiner liebsten Hamburger Concept Stores anfangen. Dieser zuckersüße Laden spiegelt meinen Geschmack zu 100 Prozent wider und ich könnte mich dort jeden Tag von oben bis unten mit Deko & Co. eindecken. Hach, es könnte wirklich schlimmer sein ;) Ich sehe meine Tätigkeit dort nicht als Brotjob, sondern als eine unfassbar tolle Möglichkeit, um meinen Arbeitsalltag aufzupeppen. Als freie Journalistin & Bloggerin sitzt man doch eh meistens nur alleine im Home Office und schreibt Artikel, bereitet Themen vor und shootet Bilder. Ich finde, es ist eine super Abwechslung, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und um meine Fähigkeiten zu erweitern. Schaden kann es jedenfalls nicht! Dennoch ertappe ich mich oft dabei, dass ich mich immer wieder erklären muss, wenn ich erzähle, dass ich bald nebenbei in einem Concept Store arbeite: „Wieso, du bist doch jetzt selbstständig?“ oder „Aha! Ich dachte, du willst jetzt dein eigenes Business gründen?“ oder, oder, oder … Meistens kommen solche Kommentare von Menschen, die irgendwo festangestellt sind, ihren Hintern in ihrem 40-Stunden-Vollzeitjob platt sitzen und keine Ahnung davon haben wie der Hase läuft, wenn man sich ohne großen finanziellen Background selbstständig machen möchte. Da fällt mir manchmal echt nur eines zu ein: Mittelfinger hoch! Lasst mich doch mein Ding machen – wie ICH es möchte. Basta!

Für mich ist der Beginn meiner Selbstständigkeit eine wirklich aufregende Zeit. Ich muss mich in vielen Dingen von Profis beraten lassen und mich bei Ämtern & Versicherungen erkundigen. Daher ist es eine tolle Chance, dass ich für die erste Zeit noch ein festes Einkommen habe, welches immer pünktlich zum Monatsende auf meinem Konto einflattert. So ist wenigstens meine Miete gesichert und ich sitze nicht nach zwei Monaten mit Sack und Pack auf der Straße. Das wäre doch ziemlich suboptimal! 

Das eigene Business ist kein gewöhnlicher Job. Es ist eine innere Haltung, die im außen seine Gestaltung findet. Entweder man kann diese „Tätigkeit“ nachvollziehen oder eben nicht. Ich weiß, dass meine Selbstständigkeit einen Sinn hat und es fühlt sich für mich richtig & gut an. In Zukunft versuche ich die negativen Kommentare meiner Mitmenschen einfach zu ignorieren. Auch wenn das nicht immer so leicht ist! Man lässt sich ja doch viel zu oft von anderen leiten oder beeinflussen. Dabei weiß man selbst einfach am besten, was einem gut tut und wie man sein Geld verdienen möchte. Ständig dieser Zwang etwas beweisen zu müssen – schrecklich!

Können die Menschen um einen herum nicht einfach mal eine Entscheidung oder ein Tun akzeptieren ohne gleich zu kommentieren? 

Kommt wohl eher selten vor. Die Kunst hierbei ist es nicht hinzuhören und falls doch, seine Handlung keinesfalls in Frage zu stellen. Lass sie ruhig reden! Am Ende musst du deine Miete zahlen und dafür sorgen, dass dein Kühlschrank gefüllt ist. Und wenn dein eigenes Business noch nicht so viel abwirft, dann ist ein Brotjob dein absoluter Lifesaver. Ich spreche aus Erfahrung. Nur selten hat man als selbstständige Person das Glück, dass es von Anfang an ziemlich gut läuft. In den meisten Fällen dümpelt es ein Weilchen vor sich hin und baut sich stetig nach oben auf – bis du irgendwann (hoffentlich) deinen kompletten Lebensunterhalt durch deine Selbstständigkeit bestreiten kannst. Bei mir ist es bis dahin noch ein weiter Weg, den ich mir aber selbst ausgesucht habe und auch nicht mehr missen möchte. Ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe und bin bereit mein Einkommen vorerst durch einen Brotjob aufzubessern. Auch wenn die jeweilige Tätigkeit vielleicht nicht ganz zu meinem „Repertoire“ als Bloggerin gehört – er bereitet mir dennoch unheimlich viel Freude und menschlich wird mich ein Brotjob immer ein Stück voranbringen.

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