Sich die Haare nur mit Conditioner waschen? Klingt im ersten Moment nicht gerade hygienisch und ist für mich als hortendes Shampoo-Monster auch ziemlich abwegig. Tatsächlich ist das sogenannte Co-Washing aber eines der wichtigsten Grundprinzipien der Curly Girl Methode.

Meine elterlichen Gene haben mich zwar nicht mit Engelslocken gesegnet, dafür aber mit welligen Haaren – oder anders: Ich bin stolze Besitzerin einer widerspenstigen Naturkrause. YAY!

Bisher habe ich meine Haarpflegeroutine sowie das Styling immer recht simpel gehalten: Shampoo, Conditioner, Kämmen, Föhnen und Dutt rein. Fertig! Ich hatte nie wirklich Lust meine Haare in Form zu bringen und ehrlich gesagt wusste ich auch nicht wie ich sie richtig pflegen sollte. Wahrscheinlich ist es bei mir dann aber doch an der Bequemlichkeit gescheitert. Die Haare hochzubinden war immer die einfachste Lösung.

Was versteht man unter Co-Washing?

Statt wie bei dem No-Poo Trend komplett auf Haarpflegeprodukte zu verzichten, werden die Haare beim Co-Washing zwar ohne Shampoo, aber immerhin mit Conditioner gewaschen. Ist Co-Washing also die „neue“ pflegende Alternative zu No-Poo? So neu ist das Conditioner-Washing gar nicht. Ursprünglich galt dieses Prinzip als Teil der Curly Girl Methode – ein Leitfaden, wie lockiges Haar am besten gepflegt wird. Für mich war No-Poo nie eine geeignete Alternative zum „normalen“ Haare waschen, obwohl das Haar durch diese Methode nicht unnötig beschwert wird – denn viele Shampoos enthalten Sulfate und Silikone. Aber ich leide an relativ trockener Kopfhaut und benötige somit eine Extraportion Feuchtigkeit und Pflege – ein Conditioner ist bei mir daher unerlässlich.

Darauf solltest du beim Co-Washing achten:

Für das Co-Washing sind leider nicht alle Spülungen geeignet. Wenn du das Prinzip gerne umsetzen möchtest, dann solltest du unbedingt darauf achten, dass dein Conditioner keine Silikone enthält. Silikone sind größtenteils wasserunlöslich und daher nur schwer auszuwaschen. Zudem bietet das Co-Washing nicht unbedingt für jeden Haartyp die ideale Pflegeroutine. Wenn du die Methode des Co-Washings zu exzessiv ausübst, kann sie unter Umständen deine Haarstruktur angreifen oder sogar Haarbruch verursachen. Achte also genau darauf, wie deine Kopfhaut und deine Haare auf das Co-Washing reagieren! Du musst diese Methode auch nicht strikt durchführen. Wenn du merkst, dass zu viele Rückstände in deinem Haar sind, kannst du zwischendurch auch immer auf ein Shampoo ohne Sulfate zurückgreifen.

So funktioniert Co-Washing:

  • Den Conditioner ein- bis maximal zweimal in der Woche verwenden. Ich benutze ihn allerdings jedes Mal, wenn ich meine Haare wasche – also tatsächlich als Shampoo-Ersatz.
  • Im ersten Schritt gebe ich den Conditioner auf meinen Ansatz und arbeite ihn wirklich gut ein. Durch die mechanische Reibung wird die Kopfhaut optimal gereinigt. Anschließend spüle ich alles aus und gebe die Spülung dann in meine Längen und Spitzen.
  • Drei bis fünf Minuten einwirken lassen und danach am besten mit kühlem (maximal lauwarmem) Wasser ausspülen. Dadurch erzielst du das beste Ergebnis!
  • Du brauchst auf jeden Fall Geduld, erst nach rund vier Wochen ist ein Resultat sichtbar und spürbar.
  • Ich wende das Co-Washing seit etwa drei Wochen regelmäßig an. Meine Haare sind nicht mehr so trocken, sie glänzen und haben eine größere Sprungkraft – wo wir dann bei der Curly Girl Methode wären.

Als ich im Oktober in Stockholm war, hat mich der cleane Chic der schwedischen Frauen so begeistert, dass auch ich wieder zurück zur Natur wollte. Ich schminke mich generell eher dezent und meine Haare färbe ich seit gut drei Jahren nicht mehr, aber meine „Locken“ habe ich bis vor wenigen Wochen immer schön kaschiert. Schluss damit! Durch Zufall bin ich irgendwann auf eine Youtuberin gestoßen, die in einem ihrer Videos von ihren Erfahrungen mit der Curly Girl Methode erzählt. Tatsächlich hatte ich vorher noch nie etwas darüber gehört, obwohl ich als Mode & Beauty Online-Redakteurin eigentlich immer total up to date bin.

Was genau ist die Curly Girl Methode?

Die Curly Girl Methode wurde 2001 von der Amerikanerin Lorraine Massey entwickelt. In ihrem Buch beschreibt die Hairstylistin ganz genau, wie man seine Haare am besten pflegt, um möglichst starke Locken zu erhalten – vom Waschen übers Entwirren bis hin zum Trocknen. Das Ziel der Curly Girl Methode ist es, so wenig Produkte wie möglich zu verwenden, um dadurch wunderschöne glänzende Naturlocken zu erhalten und sie durch die richtige Behandlung zu definieren. Willst du mit der Curly Girl Methode starten? Dann musst du deine Locken zunächst in ihren ganz natürlichen Zustand bringen! Hierfür kannst du auf alles verzichten, was deinen Haaren schaden könnte wie beispielsweise Hitze und chemische Stoffe. Besonders viel Wert wird außerdem auf die silikonfreie und sulfatfreie Haarpflege gelegt. Bevor ich mit der Curly Girl Methode losgelegt habe, habe ich meine gewellten Haare mit einem Tiefenreinigungsshampoo gewaschen, um alle Rückstande restlos zu entfernen. Der „Clean Wash“ wird von vielen Curly Girls empfohlen und auch ich empfinde diesen Step als sehr sinnvoll! Solltest du dich für die Curly Girl Methode interessieren, dann kann ich dir das Buch von Lorraine Massey Schöne Locken: Das Handbuch sehr ans Herz legen.

Für wen ist die Curly Girl Methode geeignet?

Die Curly Girl Methode ist vor allem für stärkere Locken geeignet. Diese sind nämlich ganz besonders empfindlich und sollten daher sehr schonend behandelt werden. Aber auch Frauen (und Männer) mit welligen oder etwas weniger lockigen Haaren können von der Curly Girl Methode profitieren. Je nach Länge und Haartyp ist es auf jeden Fall ratsam, den einen oder anderen Schritt wegzulassen oder abzuändern. Um herauszufinden, was das Beste für deine Haare ist, solltest du zunächst deinen individuellen Lockentyp bestimmen. Grundsätzlich werden Locken aufgrund ihrer Struktur in drei verschiedene Typen unterteilt:

  • Lockentyp 2 a-c: welliges Haar
  • Lockentyp 3 a-c: lockiges Haar
  • Lockentyp 4 a-c: krauses Haar

Kurze Locken brauchen beim Trocknen nicht geploppt werden, sondern können an der Luft trocknen. Feine Locken oder sehr fettige Haare können mit einem milden Shampoo gewaschen werden. Wellige Haare sollten lieber auf das Co-Washing verzichten, da es die Haare zu schwer machen kann und die Locken sich dadurch aushängen. Wobei ich mit meinen gewellten Haaren sehr gut mit dem Co-Washing fahre. Bei der Curly Girl Methode lohnt es sich also die verschiedenen Möglichkeiten einmal auszuprobieren!

Das sind die fünf Steps der Curly Girl Methode:

  • Step 1: Wasche deine Haare mit einem Conditioner oder mit einem Shampoo ohne Sulfate und Silikone! Bei der Curly Girl Methode wird eigentlich vollkommen auf Shampoo verzichtet und grundsätzlich nur mit Conditioner gewaschen. Aber die Erfinderin hat die Regeln ein wenig gelockert und erlaubt vor allem bei feinen Haaren oder schwächeren Locken die Verwendung eines milden Shampoos. Ganz wichtig: Dieses darf jedoch keine starken Tenside wie Sulfate und keine wasserunlöslichen Silikone enthalten.
  • Step 2: Kämme deine Haare nur, wenn sie nass sind! Nachdem du deine Kopfhaut mit dem Conditioner gereinigt hast, gibst du die pflegende Spülung (ohne Silikone & Sulfate) in deine Längen und Spitzen, dadurch versorgst du deine Locken optimal mit wichtigen Nährstoffen. Mit einem grobzinkigen Kamm kannst du deine Haare nun entwirren. Anschließend den Conditioner kalt ausspülen!
  • Step 3: Unbedingt auf Hitze verzichten! Natürlich bezieht sich das Vermeiden von Hitze aufs Trocknen & Stylen. Aber auch bei der Haarwäsche solltest du keinesfalls Hitze verwenden und den Conditioner möglichst mit kühlem Wasser ausspülen. Kleiner Tipp: Um noch mehr Glanz in deine Haare zu bringen, kannst du eine Essig-Spülung verwenden.
  • Step 4: Verstärke deine Locken im nassen Zustand! Solange deine Haare noch nass sind, kannst du optimal Pflege- und Stylingprodukte auftragen. Knete sie auf jeden Fall gut in die Locken ein, dadurch erhältst du noch mehr Definition. Viele Fans der Curly Girl Methode setzen auf ein Lockengel. Und ja: Ich habe mich auch gefragt, was denn ein LockENGEL ist … Mit dem LockenGEL wird zunächst ein sogenannter Gelcast hergestellt. Wenn dieser trocken ist, wird er ganz einfach ausgeknetet. Da die Locken danach „gegelt“ und sehr definiert aussehen, ist diese Methode tatsächlich eine Frage des Geschmacks. Ich persönlich schwöre auf die Curl & Style Milk von Shea Moisture.
  • Step 5: Lass deine Haare ploppen! Bei der sogenannten Plopping-Methode wickelst du deine Locken in ein Mikrofaser-Handtuch ein und lässt sie trocknen. Viele Curly Girls schwören darauf! Ich verwende für das Ploppen allerdings ein altes T-Shirt und das funktioniert super. Alternativ kannst du deine Haare natürlich auch komplett an der Luft trocknen lassen. Styling-Tipp: Da meine welligen Haare zum Ploppen teilweise etwas zu lang sind, benutze ich hin und wieder einen Föhn. Hier ist es wirklich wichtig, dass du einen Diffusor verwendest und den Föhn auf „kalt“ einstellst.

Die Curly Girl Methode im Test

Ich wende die Curly Girl Methode zwar erst seit gut drei Wochen an, dennoch ist schon jetzt ein deutlicher Unterschied spürbar. Während meiner Schulzeit hatte ich eigentlich fast durchgängig schulterlange Haare, mein Deckhaar war relativ kraus und in den unteren Partien hatte ich teilweise richtige Korkenzieherlocken. Durch zu viel Hitze, chemische Behandlungen und aufgrund falscher Pflege habe ich mich in den letzten Jahren ziemlich unwohl mit meinen Haaren gefühlt. Die meiste Zeit trage ich die Haare daher in einem Dutt und selten offen. Dabei würde ich sie gerne viel öfter in leichten Wellen ausführen. Ich finde meine natürlichen Locken unheimlich schön und irgendwie auch total praktisch! Nach dem Aufstehen habe ich morgens direkt einen Look, ohne stundenlang vor dem Spiegel mit Glätteisen oder Lockenstab herumhantieren zu müssen. Ich will meine Haare auch nicht jeden Morgen waschen müssen, um das perfekte Styling zu erhalten. Zudem möchte ich sie endlich mehr schonen. Die Curly Girl Methode ist für meinen Haartyp ideal! Ich habe mich im Internet durch unzählige Youtube-Videos und hunderte Forenbeiträge geklickt, immer auf der Suche nach der perfekten Anleitung, um meinen Locken die beste Pflege zu verpassen. Aber bei der Curly Girl Methode sollte sich jeder selbst durch die Produkte und Anwendungsschritte testen. Ich habe wellige Haare und wasche sie gelegentlich auch mal mit einem milden Shampoo – in der Regel aber alle zwei Tage nach dem Co-Washing-Prinzip (nur mit Conditioner). Da ich für das Waschen sehr viel Spülung benötige, teste ich mich gerade durch die günstigen Produkte aus der Drogerie. Balea und auch die „Wahre Schätze“-Reihe von Garnier bieten tolle und preiswerte Alternativen, um die Locken nach der Curly Girl Methode mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen. Um meinen Everyday Look schonender anzugehen, entwirre ich meine Haare mit einem grobzinkigen Kamm nur im nassen Zustand, wenn die Spülung einwirkt. Danach werden sie kalt ausgespült und ich gebe etwas von meiner Lockenmilch in die Längen und Spitzen. Anschließend ploppe ich meine Haare mit einem alten T-Shirt aus Baumwolle (fast) trocken. Das funktioniert prima! Mit einem Föhn und einem Diffusor-Aufsatz gebe ich den Locken mehr Halt und Definition. Ich föhne meine Haare ausschließlich kalt und lasse sie dann in Ruhe! Wenn das Styling auch am zweiten oder dritten Tag easy von der Hand gehen und gut aussehen soll, binde ich mir meine Haare nachts zu einem hohen, lockeren Dutt zusammen. Dadurch habe ich auch am nächsten Morgen noch schöne Wellen, die sich hervorragend aufkneten lassen und meine Haare feiern nachts keine Party. Fürs „Refresh“ feuchte ich die Locken leicht an und arbeite eine kleine Menge der Curl & Style Milk ein. Ich muss zugeben, dass ich eigentlich ein absoluter Trockenshampoo-Vernichter bin, durch die Anwendung der Curly Girl Methode sind meine Haare aber seltener fettig und ich benötige weniger von dem unliebsamen Zeug. Ein netter Nebeneffekt, wie ich finde!

Hier noch einmal alle Regeln der Curly Girl Methode zusammengefasst:

  1. Haare immer mit einem Conditioner oder einem milden silikonfreien, sulfatfreien und alkoholfreien Shampoo waschen!
  2. Verwende generell nur Produkte, die frei von Silikonen und Sulfaten sind – auch zum Stylen!
  3. Kämme deine Haare ausschließlich im nassen Zustand!
  4. Um deine Locken optimal zu trocknen, kannst du ein Mikrofaser-Handtuch oder ein altes T-Shirt aus Baumwolle benutzen!
  5. Bye-Bye Hitze! Finger weg von zu heißem Wasser, Föhn, Glätteisen und Lockenstab.
  6. Brrrr! Haare immer mit kühlem Wasser ausspülen.
  7. Auch Locken müssen regelmäßig in Form gebracht werden. Lass deine Spitzen alle sechs Wochen von einem Friseur schneiden!
  8. Hast du mal keine Lust auf offene Haare, dann verwende nur weiche Haargummis!
  9. Locken so wenig wie möglich anfassen. Dadurch beugst du der Frizz-Gefahr vor!

Natürlich musst du den einzelnen Schritten der Curly Girl Methode nicht strikt und dogmatisch folgen. Je mehr du dich mit der Pflege deiner Locken beschäftigst, desto mehr wirst du die Regeln an deine eigenen Haaren anpassen können!

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