Ich weiß noch, wie ich letztes Jahr melancholisch am Arlanda Flughafen saß und jeden einzelnen Stockholmer beneidete – immerhin hatte er oder sie das, was ich in diesem Moment so herbeisehnte: Ein Leben an dem Ort, den ich so ungern wieder verlassen wollte. Für mich ging es an diesem Tag zurück nach Hamburg. Mein Herz aber hatte ich in Stockholm gelassen. Nach wie vor fühlt es sich an, als hätte ich es in der schwedischen Hauptstadt vorübergehend zwischengeparkt, stets bereit es dort so schnell wie möglich wieder abzuholen.

Jeder von uns kennt diesen Moment vor der Abreise: Du spürst, dass ein Teil einfach dort bleiben wird. Nach meiner Reise hatte ich tatsächlich große Schwierigkeiten, mich wieder auf meine Heimat und den Alltag einzulassen. Auch jetzt hat mich das Nordweh voll im Griff: Wehmütig höre ich schwedische Musik, lerne die Sprache, bin verrückt nach Fika & skandinavischen Zimtschnecken und alles, was aus Schweden kommt, wird im Supermarkt mitgenommen.

Meine Heimat ist Hamburg, aber in Stockholm fühle ich mich Zuhause!

Schon ganz bald hat Stockholm mich wieder und bis dahin halte ich mich mit diesen Anti-Fernweh-Tipps über Wasser.

Fernweh: Das hilft wirklich gegen den Reisekater

Beantworte dir zunächst folgende Fragen:

  • Was genau ist es, das mich auf Reisen so glücklich sein lässt?
  • Wofür steht das Reisen für mich?
  • Welche Werte verbinde ich damit?
  • Welche Aspekte meiner Persönlichkeit lebe ich auf Reisen besonders?
  • Was davon lebe ich auch Zuhause?
  • Wie kann ich mehr davon in meinen Alltag integrieren?

Überlege nun, welche Einstellung du zu deinem Zuhause hast:

  • Was gefällt dir, was nicht?
  • Welche Menschen sind dir wichtig?
  • Wie sieht dein Alltag aus?
  • Wieviel Zeit hast du, Dinge zu tun, die dir Freude machen?

Natürlich habe auch ich mir Gedanken gemacht, wieso mich so plötzlich der Reisekater gepackt hatte. Möglicherweise war es ein Hinweis darauf, dass ich mit meinem Leben zu Hause sehr unzufrieden war. Durch eine radikale Veränderung haben ich versucht dem entgegenzuwirken: Job gekündigt und selbstständig gemacht! Wenn du aber zu dem Schluss kommst, grundsätzlich zufrieden mit deinem Leben zu sein, geht es vielleicht eher darum, mehr von dem, was du auf Reisen so liebst, in deinen Alltag zu integrieren. 

Um dem Fernweh nicht zu viel Spielraum zu ermöglichen, ist es wichtig, dich bereits auf der Heimreise innerlich zu verabschieden und das Ende der Reise bewusst zu betrauern. Erst dann bist du bereit, dich wieder auf deinen Alltag einzulassen.

Fünf SOS-Tipps gegen unschönes Fernweh

1. Listen schreiben

Schon vor deiner Abreise in die Heimat solltest du alles aufschreiben, was für die nächsten Tage erledigt werden muss. Vergiss aber auch nicht schöne Dinge, die du gerne unternehmen möchtest, auf deiner Liste festzuhalten. Die Listen geben dir Struktur. Kleiner Tipp: Starte beim Abarbeiten einfach mit den schönen Dingen, dann fällt dir die Heimreise deutlich leichter!

2. Sich eine Pause gönnen

Du solltest vermeiden, dass du direkt nach deiner Ankunft wieder zur Arbeit rennst und in den Workaholic-Modus verfällst – an dieser Stelle ein kleiner Reminder an mein eigenes Ich. Plane, soweit es möglich ist, mindestens einen Tag Pause zwischen Reise und Alltag ein. Für den ersten Arbeitstag bietet sich übrigens prima der Donnerstag an: So hast du schon nach zwei Tagen wieder Wochenende und überforderst deinen Reisekater nicht zu sehr.

3. Mit Gleichgesinnten unterhalten

Ja, auch das gibt es: Nicht alle Menschen haben so ein unstillbares Verlangen nach dem Unbekannten, Fernen, Aufregenden und, und, und. Ganz wichtig: Wenn das Fernweh kommt sollest du dich mit Freunden austauschen, die vielleicht sogar schon an denselben Orten waren wie du und den Kater nach der Reise gut kennen.

4. Den Wohlfühlfaktor erhöhen

Wenn die Wohnung schön eingerichtet ist, dann fällt es mir etwas leichter nach einer Reise nach Hause zukommen. „In das eigene Zuhause investieren“ solltest du also schon auf die To Do-Liste vor deiner Abreise in die Ferne schreiben. Zudem hinterlasse ich die Wohnung immer blitzeblank und aufgeräumt, sodass mich bei der Ankunft nicht das blanke Chaos überrascht und mir die Laune noch mehr vermiest.

5. Die nächste Reise planen

Wenn nichts von alledem hilft: Plane einfach deine nächste Reise! Sehr wirkungsvoll und eine der zuverlässigsten Methoden, um die Tristesse in der eigenen Heimat zu überleben. Von mir höchstpersönlich erprobt!

Dreimal darfst du raten, wo es für mich demnächst wieder hingeht … Nordweh Ahoi!

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