Als ich mich noch nicht mit dem veganen Lebensstil auseinandergesetzt habe, war es mir (leider!) auch ziemlich wurscht, welche fiesen Inhaltsstoffe sich da eigentlich so in meinen Beauty-Produkten tummelten. Auch über die Herkunft oder die Produktion habe ich keinen einzigen Gedanken verloren. Es war mir schlicht und einfach egal. Well, shame on me! Ab und zu griff ich dann aber doch ins Naturkosmetik-Regal, um mein schlechtes Gewissen etwas zu beruhigen, welches mir durch Freunde & Kolleginnen immer wieder fein suggeriert wurde. Denn:

Naturkosmetik ist pflanzliche Kosmetik, deshalb ist sie auch vegan. Vegane Kosmetik ist automatisch auch tierversuchsfrei!

Klingt logisch, oder? Das dachte ich tatsächlich. Irrtümer wie diese sind nicht selten. An solch einer Falschaussage lässt sich ziemlich gut erkennen, dass ich absolut uninformiert war. Naturkosmetik, vegane Kosmetik und tierversuchsfreie Kosmetik sind nämlich drei komplett unterschiedliche Bereiche. Es kann natürlich vorkommen, dass Produkte zwei oder drei der Aspekte beinhalten, die einzelnen Begriffe garantieren jedoch keinen der anderen.

Naturkosmetik, vegan, tierversuchsfrei – wie, wo, was?

Damit du ab jetzt besser informiert bist als ich es damals war, möchte ich dir hier noch einmal genau die Unterschiede zwischen den einzelnen Begriffen erklären.


Naturkosmetik

Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff. Es gibt also nicht DIE ultimative Naturkosmetik. Unternehmen dürfen diese Bezeichnung nach Belieben für ihre Produkte verwenden. Grundsätzlich muss Naturkosmetik aber mit einem Siegel zertifiziert sein, welches bestimmten Richtlinien folgt. Je nach Siegel sehen die Richtlinien anders aus – erlaubte Inhaltsstoffe und Tierversuche werden von jedem Siegel gesondert geregelt. Aber: Naturkosmetik ist nicht zwingend vegetarisch oder vegan, denn die einzelnen Beauty-Produkte können aus pflanzlichen Rohstoffen oder auch aus Produkten lebender sowie toter Tiere bestehen. Der Einsatz von Tierprodukten wie etwa Milch oder Honig ist grundsätzlich gestattet – ebenso der rote Farbstoff Karmin. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber, verboten sind Rohstoffe aus toten Wirbeltieren wie etwa tierische Fette oder Frischzellen. Rohstoffe aus wirbellosen Tieren sind nicht ausgeschlossen.

Vegane Kosmetik

Beauty-Produkte, die als vegan gekennzeichnet sind, enthalten keinerlei Inhaltsstoffe, welche von oder aus Tieren produziert werden. Dies bedeutet zwangsläufig aber nicht, dass vegane Kosmetik komplett ohne Tierversuche hergestellt wird. Zum Leidwesen der Verbraucher ist der Begriff „vegan“ nämlich nicht geschützt oder klar definiert. Die menschliche Logik schließt bei veganer Kosmetik auch Tierversuche aus, jedoch sehen viele Marken vegan noch immer als Trend an und nutzen dies als Marketingstrategie. Anerkannte Siegel für vegane Kosmetik garantieren jedoch auch das Verbot von Tierversuchen.

Tierversuchsfreie Kosmetik

Seit dem 11. März 2013 ist in der ganzen EU der Verkauf von Kosmetik verboten, für deren Inhaltsstoffe Tierversuche nach diesem Datum durchgeführt wurden. Aber: Es gibt immer wieder Schlupflöcher, die oft und gerne genutzt werden. Deshalb müssen in Deutschland jährlich immer noch unglaublich viele Tiere für Tierversuche leiden und sterben. Ob anderweitig Tierversuche gemacht werden (zum Beispiel in China), wird nämlich nicht beachtet und ist somit auch nicht verboten. Auch bezieht sich dieses Gesetz nur auf kosmetische Inhaltsstoffe, nicht jedoch auf Inhaltsstoffe, welche unter die Europäische Chemikalienverordnung REACH fallen. Dies gilt beispielsweise für Farb- oder auch Duftstoffe. Zudem sind so gut wie alle Inhaltsstoffe auf dem Markt von vor dem 11.03.2013 und daher wurden an vielen von ihnen Tierversuche durchgeführt. Irritierend sind vor allem aber die Aussagen der Kosmetikhersteller gegenüber Verbrauchern, wenn es um das Thema „Tierversuche“ geht. So heißt es oft „unsere Produkte werden nicht an Tieren getestet“ – diese Antwort sagt allerdings nichts darüber aus, ob nicht vielleicht Inhaltsstoffe in Tierversuchen getestet werden. Es kann auch vorkommen, dass nicht exakt dieses Unternehmen an Tieren testet, sondern eine andere Firma damit beauftragt hat. Daher sollten die Antworten der jeweiligen Marken stets genau hinterfragt werden, um zu verstehen, was tatsächlich dahintersteckt.


Hautpflege ohne Tierleid gibt’s hier:

Aufgrund unklarer Definitionen wird uns der Kauf von cruelty-free Produkten nicht gerade leicht gemacht. Ich war am Anfang wirklich ein wenig überfordert und musste mich erst einmal durch den Siegel-Dschungel kämpfen. Eine gute Hilfe für Einsteiger ist die Webseite und/oder die App von PETA. Der Verein nimmt auf der Seite Kosmetik-ohne-Tierversuche.de ausschließlich Kosmetikhersteller mit klaren Richtlinien gegen Tierversuche auf. Diese Unternehmen führen keinerlei Tierversuche durch und gewährleisten, dass auch ihre Zulieferer oder Dritte nicht an Tieren testen. Somit ist auch ein Import nach China ausgeschlossen. Marken, die zu 100 Prozent vegan sind, werden durch das PETA-Logo „cruelty-free and vegan“ gekennzeichnet.

© PETA

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