In meinem allerersten Sonntagspost habe ich euch an meinen Gedanken zum Thema „Wie okay ist es wirklich, neidisch zu sein?“ teilhaben lassen – meine Intention für diesen Artikel? Den gedanklichen Wirrwarr in meinem Kopf in irgendeiner Weise auf eure Bildschirme zu bekommen. Während des Schreibens habe ich aber eine Sache ganz bewusst ausgegrenzt: Neid unter Frauen! Viele kennen ihn und von fast allen wird er verdrängt: der Neid unter Freundinnen.

Auch ich würde mich gerne für andere Frauen freuen, nur gelingt mir das nicht oft.

Warum ich meinen Freundinnen nicht so viel gönne, wie ich gerne würde!

Die Zeilen, die ich gerade tippe, sind nicht nur der Input für einen neuen Beitrag auf hejFROLLEIN, sondern vielleicht sogar eine Beichte über ein ätzendes Tabu-Thema. Ich schreibe diesen Blogpost, weil mich das Thema sehr beschäftigt. Denn: Der Neid auf Menschen, denen man ziemlich nahe steht, ist doch immer eine fiese Sache. So viel offensichtliche Feindseligkeit ist mir noch nie begegnet. Tatsächlich konnte nämlich auch ich mich eine Zeit lang nicht über die Erfolge meiner Freundinnen freuen, so wahnsinnig gerne ich das auch wollte. Ich bekam es einfach nicht hin. 

Noch heute habe ich ein schlechtes Gewissen!

Mich beschlich immer wieder ein sehr seltsames Gefühl. Und zwar immer genau dann, wenn meine Freundinnen mir erzählten, wie gut es ihnen gehe und dass es gerade ja sooooo super lief. Eigentlich hielt ich mich bis dato für recht charakterfest, aber ich musste mir in dieser Zeit ernsthaft eingestehen: Okay, ich bin tatsächlich neidisch auf meine Freundinnen! Noch immer habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen – vor allem, weil es um die Menschen in meinem Leben ging, die ich nicht missen wollte. Darf man das – neidisch auf seine Freundinnen sein? 

Während ich meinen neidischen Frust lieber kommentarlos heruntergeschluckt habe, gibt es noch zwei weitere Sorten von neidischen Frauen:

1. Frauen, die missgünstig auf ihre Artgenossinnen herabsehen. Hier kommt auch gerne das „System Stutenbissigkeit“ zutage, welches so gemein wie simpel ist: Die weibliche Konkurrenz wird einfach grundsätzlich schlecht gemacht. Teilweise werden die Rivalinnen aus Neid heruntergebuttert, um deren Wert zu mindern.

Aber warum sehen wir andere Frauen oftmals als Konkurrentinnen an und gönnen unserem Geschlecht nicht deren persönlichen Erfolg?


2. Dann gibt es noch die Art von Frau, die auf ihre Freundinnen neidisch ist, weil sie etwas haben, was sie selbst gerne hätte. Statt dann aber „daran“ zu arbeiten, versinkt sie lieber in Selbstmitleid. Jaja, die Welt ist ganz schön unfair. Von wegen! Das ist nicht nur für die Person selbst sehr belastend, sondern kann auch eine ganze Freundschaft in Gefahr bringen.

Ich nenne es „Das Frust-Syndrom“ … denn Frauen, die sich ihrer Freundin so gegenüber verhalten, sind einfach nur gefrustet und enttäuscht von ihrem eigenen Lebensstil. Oftmals stecken hier sogar tiefgründige Probleme dahinter. Den neidischen Frauentyp Nr. 2 habe ich selbst in einer Freundschaft erlebt und diese Charaktereigenschaft tut beiden Parteien überhaupt nicht gut. Freundin A ist immer gefrustet, wenn Freundin B etwas Tolles zu berichten hat und Freundin B traut sich schon gar nicht mehr ihre News mit Freundin A zu teilen. Totale No-Win Situation!

Warum müssen wir uns immer aneinander messen? Unsere Erfolge gegenüberstellen, obwohl sie gar nicht miteinander vergleichbar sind? 

Natürlich spreche ich mich nicht frei von Neid, denn auch ich bin neidisch. Aber ich mag das Gefühl nicht und habe mittlerweile gelernt, es in etwas Positives umzuwandeln. Ich nutze es als Antriebskraft und verabscheue Missgunst!!! Kein Mensch ist zu 100 Prozent neidfrei, aber der Ton macht die Musik. Frauen dürfen sich untereinander ruhig gerne Komplimente machen – trotz Neid. Was ist so schlimm daran, deiner Freundin oder Kollegin einfach mal zu sagen, dass sie ein tolles Kleid trägt? Wenn du es schön findest, dann raus mit den Worten – behalte es nicht für dich und werde gelb vor Neid. Ich bewundere Frauen, die über ihren Schatten springen und Lob & Liebe an andere Frauen verteilen. Davon sollten wir uns alle eine ordentliche Scheibe abschneiden. 

Es gibt nämlich weder perfekte Wohnungen, noch perfekte Augenbrauen – auch wenn Social Media und das Internet stets so tun als ob. Nein, verdammt! Wenn wir also wirklich glauben, dass uns die neue Gucci Handtasche glücklicher macht, dann sitzt der Teufel in der Ecke und schmeißt sich vor Lachen weg! Todsünde Neid? Check!

Neidisch? Schätzchen, ich doch nicht

Mädels, wir teilen mit unseren BFFs unsere intimsten Geheimnisse über Kerle, Kollegen und absolute Vollkatastrophen. Warum zur Hölle vergleichen wir uns ständig miteinander und lästern sogar über unsere beste Freundin? Es wäre doch viel besser, sich zu verbünden, statt sich immer nur zu bekämpfen! Sich zu verbünden ist viel sinnvoller, als immer nur neidisch auf den Erfolg der anderen zu schielen. Neid hat zudem mehrere Konsequenzen: Zum einen raubt dieses Denken viel Energie und zum anderen bringt es niemanden weiter, sondern behindert sogar noch das eigene Handeln. Der Satz „Was hat die, was ich nicht habe?“ wird ab sofort aus unserem Wortschatz gestrichen und stattdessen umgewandelt in „Wie bekomme ich das, was ich nicht habe?“.

Überprüft doch mal eure Schattenseiten: Worauf seid ihr neidisch?

Foto: Yana Schicht

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