Neid hat einen miesen Ruf und ist in etwa so glamourös wie Fußpilz im Sommer. Neid ist ein ekliges Gefühl und wird von uns gerne verdrängt, keiner mag es so richtig zugeben. Neid macht Bauchweh und Neid macht vor allem keinen Spaß. Dabei ist jeder von uns manchmal neidisch. Bei mir hat Neid wenig damit zu tun, was ich habe – es geht viel mehr darum, was ich gerne hätte. Neid ernährt sich vom Vergleich!

In meinen Sonntagsgedanken lasse ich euch regelmäßig an Themen teilhaben, die mich aktuell beschäftigen. Heute habe ich über Neid nachgedacht! Jeder von uns war in irgendeiner Lebenssituation bestimmt schon einmal neidisch: neidisch auf die kleine Schwester, die vor dir heiratet. Neidisch auf die beste Freundin, weil sie schwanger ist oder man ist neidisch auf die Kollegin, die vom Chef befördert wurde. Ja ja, neidisch waren wir sicherlich alle schon – nur will es keiner zugeben! Wieso auch? Neid ist eine unschöne Sache, das verbotene, giftig gelbe Gefühl, welches wir am liebsten schamhaft verleugnen. Wenn wir nicht aufpassen, kann uns verdrängter Neid ziemlich zerfressen. Ich kenne das.

Neid: Das verbotene Gefühl

Zugegebenermaßen bin ich ein Mensch, der seine Emotionen sehr gut kontrollieren kann. Nach außen hin ist bei mir immer alles tippi toppi, über Probleme spreche ich ungern und auch sonst nehme ich vieles zu sehr auf die leichte Schulter. Und dann kam der Neid – ein unschönes Gefühl, welches mir den Hals zusammenschnürte und innerlich einen enormen Druck auf meine Brust ausübte. Mein Magen verkrampfte sich, aber mein Mund lächelte. Eine innere Stimme in meinem Kopf redete mich klein, dabei sollte sie einfach mal die Klappe halten. Neid würde ich niemals zugeben, nicht einmal vor mir selbst – dachte ich!

Das letzte Mal, als ich neidisch war, war schätzungsweise der Moment, als mir eine gute Freundin von der Zusage für einen mega tollen Job erzählt hat. Ich war neidisch. Sie konnte nichts dafür – trotzdem. Ich wollte das auch, mit einem coolen Job gutes Geld verdienen.

Was ich alles gerne hätte …

Dabei verrät worauf ich neidisch bin, viel über meine Sehnsüchte. Es ging damals nicht primär um den geilen Job meiner Freundin, sondern um die Unzufriedenheit, die ich in meiner beruflichen „Karriere“ verspürte. Neid ist ein Hinweis darauf, dass ein eigenes Bedürfnis noch nicht ausreichend erfüllt ist. Ich habe mehrere Jahre studiert und danach als festangestellte Mode & Beauty Online-Redakteurin bei einem großen Frauenmagazin gearbeitet, ein wahnsinnig toller Beruf, aber ich wollte mehr und etwas Eigenes gründen. Nur habe ich davon immer nur geträumt und nichts selber in die Hand genommen. Natürlich war ich dann auf meine Freundinnen neidisch, die ihren Arsch hochbekommen haben und sich für sich selber einsetzten. Logisch, oder? Warum kann ich das nicht haben? Irgendwann wurde mir klar, dass mich Neid im Leben nicht weiterbringt. Ich muss also von allein alles daran setzen, das zu bekommen, was ich will. Mittlerweile bin ich ein Stück zufriedener mit meinem Leben und das liegt nicht nur daran, dass ich meinen Job gekündigt habe und jetzt meine Gedanken mit euch in diesem Blogazine teile – ich habe meine persönliche Einstellung zu vielen Dingen überdacht und mir verdeutlicht, dass es bisher viele Situationen gab, die mich ruhig mit Stolz erfüllen dürfen. Das sind zum Beispiel Situationen, in denen ich über mich hinaus gewachsen bin oder in denen ich den steinigen Weg gewählt habe. Einfach kann schließlich jeder! Am Ende hat mich genau diese Entscheidung meinem Ziel ein wenig näher gebracht. Ich kümmere mich ganz bewusst und regelmäßig um mich selbst und um meine Bedürfnisse. Trotzdem bin auch ich hin und wieder neidisch. Darauf bin ich nicht stolz. Aber Neid ist eben trotzdem manchmal da!

Was soll der Neid?

Neid hat genau zwei Ausprägungen, er kann konstruktiv oder destruktiv sein! Konstruktiver Neid führt oftmals dazu, dass man das, was der andere hat, auch haben will. Destruktiver Neid beinhaltet hingegen den Wunsch, der andere möge das, was er hat, verlieren. Hier paart sich der Neid mit Missgunst und das ist wirklich fies! Wird man sich erst einmal über die genaue Definition von Neid bewusst, sollten wir doch alle viel öfter neidisch aufeinander sein – konstruktiv versteht sich! Oder aber: Wir sind endlich mit dem zufrieden, was wir haben, können den Neid getrost beiseite schieben und sich einfach nur ehrlich für den anderen freuen. Bist du nicht zufrieden, dann musst du deinen platt gesessenen Hintern bewegen und etwas an deiner Unzufriedenheit ändern! Es wir niemand an deiner Tür klingeln und dir etwas schenken. Nutze den Neid als Antriebskraft, um etwas in deinem Leben zu verändern!

Dieser Satz huschte mir in den letzten Tagen auf irgendeiner Social Media Plattform über den Weg und ließ mich schmunzeln. Ja, verdammt! Wieso vergleichen wir uns immer mit anderen und lassen dabei die Realität völlig aus den Augen? Was wir heutzutage so auf Instagram & Co. an Reiseberichten, Interior-Konzepten und trainierten Körpern zu sehen bekommen, kann einen ganz schön neidisch machen. Aber wenn du nur zu Hause mit deinem Smartphone auf dem Sofa sitzt, dann kann das ja auch nichts werden. Natürlich spiegelt Social Media nur einen kleinen Ausschnitt der Realität wider und schafft eine perfekte Parallelwelt. Wir sollten uns also viel mehr auf das wahre Leben konzentrieren und unsere Gefühle hinterfragen. Warum sind wir gerade neidisch? Hast du einen guten Blickwinkel für die Dinge, dann wirst du schnell erkennen, dass nur du für dich verantwortlich bist. Neid ist meistens hart erarbeitet und sollte für dich als Ansporn dienen. Also ja, es ist völlig okay, neidisch zu sein! Aber viel besser ist es doch, wenn du dieses uncoole Gefühl positiv für dich nutzen kannst. Du kannst das mit dem Neid nicht ändern, was du aber ändern kannst ist deine Einstellung! Zu dir und dazu, wie du mit solchen Situationen in Zukunft umgehen möchtest. Denn nur du entscheidest jeden Tag aufs Neue wie du dein Leben leben möchtest. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.

Charles-Louis de Montesquieu

Lassen wir das mit dem Neid, packen wir’s lieber an!

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